Sonntag, 18. Januar 2009

Tipps und Tricks für das Arbeiten mit Fimo

Fimo, eine ofenhärtende Modelliermasse, werden einige noch aus Kindertagen kennen.

Ich habe damals damit geknetet und Essen für meine Puppenstubenfamilie hergestellt, ohne es zu backen. Vor einiger Zeit, als ich den Dachboden aufgeräumt habe, fand ich einige dieser frühen Kunstwerke wieder - leider hatten die Weichmacher im Fimo die liebevoll dekorierten Plastikteller mittlerweile "angefressen" und angelöst.

Hier ein paar (offensichtlich neuere) Mini-Törtchen aus Fimo:

Ich erinnere auch, Fimo damals gebacken zu haben, und es stank fürchterlich. Leider sind keine Kunst-Stücke aus dieser Schaffensperiode erhalten geblieben :-)

Eberhard Faber, die Firma, die Fimo seit Jahrzehnten herstellt, hat mittlerweile die Rezeptur verändert, so dass die Geruchsbelästigung beim Backen minimal ist.

Vor einigen Jahren stiess ich beim Surfen im Internet immer wieder auf wundervolle Skulpturen und Kunstwerke, alle aus "Polymer Clay". Ich hatte keine Ahnung, was das war, dachte, es ist wahrscheinlich wieder mal etwas, was es nur in Amerika zu kaufen gibt, und forschte nicht weiter nach. Irgendwann aber liess es mir keine Ruhe mehr, ich stöberte im Internet und fand schließlich heraus, dass dieses geheimnisvolle "Polymer Clay" schlichtes Fimo ist!

"Wow!", dachte ich, dass muss ich unbedingt ausprobieren! Gesagt, getan, ich ging zum nächsten Bastelladen und kaufte ein paar Päckchen Fimo.

Hier meine Erstlingswerke, zwei Windlichter aus Fimo.

Heute würde ich vieles anders machen, aber da es die ersten Teile waren, die ich angefertigt habe, sind mir diese beiden Windlichter immer noch lieb und teuer.

In der Zwischenzeit habe ich sehr viel gelesen, ausprobiert und festgestellt, dass es mir eine unglaubliche Freude bereitet, mit diesem Werkstoff zu arbeiten. Fimo ist extrem vielseitig, man kann Schmuck daraus herstellen, Skulpturen gestalten, Objekte umhüllen und verschönern, und damit einzigartige Kunst- und Gebrauchsgegenstände herstellen.

Es gibt eine schier unübersichtliche Anzahl von Techniken, was man mit Fimo alles anstellen kann, und ich habe längst noch nicht alle ausprobiert. Was mir besonders gut gefällt: Fimo ist ein sehr nachsichtiges Medium. Wenn mir etwas nicht zusagt, kann ich es einfach wieder zusammenkneten und etwas Neues daraus machen.

Durch das intensive Arbeiten mit der Modelliermasse habe ich einige Erfahrungen gesammelt, die ich hier gerne weiter geben möchte, um Anfängerinnen, aber auch Fortgeschrittenen das Modellieren zu erleichtern.

- Weichmacher:

Wie eingangs erwähnt, löst Fimo im ungebackenen Zustand aufgrund der Weichmacher, die die Modelliermasse erst knetbar machen, andere Kunststoffe auf. Man sollte also unbedingt vermeiden, Fimo auf Kunststoffflächen liegen zu lassen oder längere Zeit mit Plastikteilen in Berührung zu bringen. Die Oberfläche kann durch die Weichmacher manchmal innerhalb eines Tages klebrig und unbrauchbar werden.

Backpapier ist auch eine gute Unterlage, wenn man mit Fimo arbeitet, es z.B. bestempelt. Es lässt sich dann leichter anheben, ohne zu verformen.

- Lagerung:

Ich lagere ungebackene Fimoteile auf Holzbrettchen, die ich mit Backpapier ausgelegt habe, oder auf Kacheln und Marmorfrühstücksbrettchen. Was mit Fimo in Kontakt kommt, sollte danach für das Arbeiten mit Fimo reserviert bleiben, und nicht mit Nahrungsmitteln in Kontakt kommen.

Ich wickle das Fimo, das ich aus der Packung geholt habe, in Klarsichtfolie ein und lege es dann in verschließbare Plastikboxen, z.B. von Ikea. Dabei trenne ich unterschiedliche Farben, da diese aufgrund der Weichmacher nach einiger Zeit aneinander kleben bleiben. Man kann Fimo auch ohne Probleme für längere Zeit an der Luft liegen lassen, dies empfiehlt sich allerdings nicht in einem Haushalt mit Katzen oder viel Staub.

- Pastamaschine/Nudelmaschine:

Eine sinnvolle Anschaffung, wenn man mehr mit Fimo arbeiten möchte. Auf gar keinen Fall eine billige Nudelmaschine aus Plastik kaufen! Diese wird nach einiger Zeit von Fimo "angefressen" (siehe Weichmacher). Eine Nudelmaschine ist ideal geeignet zum Mischen von Farben, weich machen der Modelliermasse, und um glatte, gleichförmige Flächen zu erzeugen. Alternativ kann man auch eine ausgediente Flasche zum Ausrollen benutzen.

- Altes, brüchiges Fimo:

Manchmal erwischt man in Läden, in denen nicht viel Fimo gekauft wird, altes, brüchiges Fimo, oder findet so etwas auf dem Flohmarkt. Man kann es z.B. mit Fimo Mix Quick wieder weich bekommen. Es wird auch empfohlen, es mit sehr wenigen Tropfen Babyöl zu vermischen, aber ich habe dies noch nicht ausprobiert.

Ein Hinweis kann auch die Temperatur sein, die auf der Packung angegeben ist. Faber, der Hersteller von Fimo, hat vor einiger Zeit die Rezeptur für Fimo verändert, das neue Fimo wird jetzt mit 110 Grad statt 130 Grad gebacken.

- Zu weiches Fimo:

Es gibt Fimo in den Sorten "soft" und "classic". Classic ist fester und damit schwerer zu verarbeiten, eignet sich dadurch aber besser für das Herstellen von Skulpturen und Canes. Wenn man nur Fimo soft zur Hand hat, kann man es für ein paar Tage auf ein Blatt Papier legen, das Papier saugt die Weichmacher auf, und das Fimo wird fester.

Wenn man z.B. an einer Skulptur oder einem Cane arbeitet, kann es sinnvoll sein, die Teile für einige Zeit (Stunden bis Tage) in den Kühlschrank oder sogar in den Tiefkühler zu legen. Es wird dadurch fester und lässt sich besser verarbeiten. Canes sollten vor dem Schneiden unbedingt tiefgekühlt werden, weil sie sich dann dünner schneiden lassen.

- Hände und Gegenstände reinigen

Manche Fimo-Sorten färben extrem ab, und die Reste sind kaum wieder von den Händen zu bekommen. Abhilfe schaffen Babytücher für unterwegs, man kann damit auch Werkzeuge und die Pasta-Maschine reinigen.

Wer mag, kann Latex-Handschuhe tragen, was auch hilft, die unschönen Fingerabdrücke auf den Fimo-Werken zu vermeiden. Ich trage sie allerdings äußerst ungern, weil die Hände darin sehr stark schwitzen.

- Puppenfimo

Es gibt spezielles Fimo für die Herstellung von Puppen, in drei verschiedenen Farbtönen, darunter weiß. Die Packungen sind größer und im Verhältnis günstiger als die kleinen 56 gr Packungen. Wenn ich weiß, dass ich das Fimo anschließend mit Acrylfarben bemalen oder mit Pearl Ex Pudern dekorieren möchte, nehme ich oft das günstigere weiße Puppen-Fimo. Es lässt sich auch mit Künstlerkreide mischen, was sehr schöne Farbtöne ergibt.


Backöfen können in der Temperatur sehr schwanken, und oft heißer oder kälter werden, als die Gradanzeige angibt. Wenn der Ofen zu heiß wird, können besonders helle Teile anbrennen und sich braun verfärben. Man kann die Teile mit Alufolie abdecken und dann brennen. Gut ist auch ein Ofenthermometer.

Ich habe mir einen Mini-Backofen zugelegt, der leider bis zu 40 Grad heißer wird, als er eigentlich sollte. Dank meines Thermometers kann ich dies aber durch eine niedrigere Einstellung kompensieren. Da dieser Ofen nicht so groß ist, nutze ich ihn häufiger und muss nicht immer so lange warten, bis ich mal ein oder zwei Bleche voll habe. Ich habe auch festgestellt, dass sich ein seltsamer Film auf der Scheibe (und wahrscheinlich auch im ganzen Ofen) niederschlägt, der sich allerdings mit einem Küchentuch schnell entfernen lässt. Ich habe deshalb ein besseres Gefühl, nicht unseren normalen Backofen für das Fimo zu benutzen.

Beim Backen unbedingt auf eine gute Lüftung achten!

Holzteile, wie z.B. diese Schatztruhe, die mit Fimo umhüllt wurde (erhältlich in meinem Dawanda-Shop, oder Glas (für Windlichter) lassen sich problemlos im Backofen mit backen, ebenfalls Metall. Plastik ist schon etwas problematischer. Wenn ich unsicher bin, ob ein Teil die 110 Grad aushält, backe ich es im Zweifelsfalle vorher mit und sehe, ob es sich verformt. Ich kann mich vage erinnern, irgendwo eine Unterscheidung gelesen zu haben, welches Plastik bei welchen Temperaturen schmilzt, aber kann diese Seite momentan nicht mehr finden. Ich werde es aber bei Gelegenheit recherchieren.

- Lackieren und Bemalen:

Fertig gebackenes Fimo sollte lackiert werden, wenn die Teile größerer Beanspruchung ausgesetzt sind. Ich habe mir leider zwei wunderschöne Ketten mit Perlen aus Fimo ruiniert, weil ich diese nicht lackiert habe. Bei der einen Kette handelte es sich um Perlen in der Mokume Gane Schichttechnik mit Goldfolie. Diese ist nach einiger Zeit angelaufen, die Kette ist nicht mehr zu tragen. Die anderen Perlen waren weiße Perlen, mit Canescheiben belegt. Die Perlen fingen nach einiger Zeit an, gelblich anzulaufen. Ich werde in Zukunft alle Schmuckteile lackieren.

Leider ist nicht jeder Lack für Fimo geeignet! Bitte ausschließlich Acryllack auf Wasserbasis benutzen. Andere Lacke greifen Fimo an, trocknen nicht richtig und hinterlassen eine unangenehm klebrige Oberfläche. Um auf der sicheren Seite zu sein, würde ich den Faber-eigenen Lack auf Wasserbasis benutzen. In Amerika wird häufig etwas verwendet, was eigentlich zur Pflege von Böden eingesetzt wird, Varathane und Future Floor Polish. Ich vermute, dass es ähnliche Produkte hier in Deutschland gibt, habe diese aber noch nicht ausprobiert. Ich habe auch keine Erfahrungen mit anderen Acryllacken auf Wasserbasis.

Fimo lässt sich auch wunderbar mit Acrylfarben auf Wasserbasis bemalen. Ich bestäube es auch gerne mit Pearl Ex Puder-Pigmenten aus Amerika, von der Firma Jacquard. Es gibt sie in unzähligen Farben, wunderbar schimmernd, z.T. metallisch. Die kleinen Töpfchen sind sehr teuer, aber auch sehr ergiebig. Einige Online-Shops in Deutschland haben sie im Programm.

Ebenfalls von Jacquard kommen auch Farben auf Alkoholbasis, die sogenannten "Pinata Inks", die sich sehr gut vor oder nach dem Backen auf dem Fimo verteilen lassen. Sie leuchten sehr schön und lassen sich gut miteinander mischen.

Hier ein Beispiel für transparentes Fimo, gemischt mit verschiedenen Pinata Inks Rottönen. Die dunkle Patina wurde mit Acrylfarbe aufgetragen:



Eine Auswahl an weiterführenden Links:

Ein ganz wunderbares Forum für alle, die gerne basteln, mit einem sehr ausführlichen Forum für Fimo. Man kann dort stundenlang stöbern, die tollen Werke bewundern, Tumanas Experimente bestaunen und sämtliche Fragen zu Fimo beantwortet bekommen:

Schnugis Forum: Schnugis Forum

Tumanas Seite, mit sehr vielen Anleitungen:Schnugis Net

Ein weiteres Bastel-Forum mit einem Fimo-Unterforum: Kreativforum

Englische Links:

Wer es schafft, sich nicht von der Unmenge an Informationen und der Seitengestaltung erschlagen zu lassen, findet bei Glass Attic so ziemlich jede Frage beantwortet, die jemals über Fimo/Polymer Clay gestellt wurde:

Glass Attic

Sehr gerne stöbere ich auch bei Flickr, nach den Schlagworten "Fimo" oder "Polymer Clay", und lasse mich von den wundervollen Kunstwerken dort inspirieren:

Flickr

Meine eigene Seite bei Flickr: Valeriana Solaris bei Flickr

Last but not least, meine künstlerische Heimat DeviantArt, wo sehr viele Künstler und Künstlerinnen ihre Fimo-Werke vorstellen (ebenfalls nach Fimo, Premo, Sculpey oder Kato suchen, das sind andere Markennamen für backofenhärtende Modelliermassen, oder nach "Polymer Clay"):

DeviantArt

Meine Seite bei DeviantArt: Valeriana Solaris bei Deviant Art


Ein paar ausgewählte Werke finden sich auch bei meinem Dawanda-Shop:

Valerianas Studio

Ohrringe aus der Rosencane


Hast Du Fragen zu Fimo, Änderungsvorschläge, Ergänzungen? Ich freue mich über jeden Kommentar!

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